AKTUELLER VORTRAG

Aktueller Vortrag

Wird der Krieg in der Ukraine das Interesse an unserem Jahresthema „Bindungs- und Fliehkräfte in liberalen Gesellschaften“   beeinträchtigen?  Gut begründet wäre dies nicht. Einerseits hat die kriegerische  Aggression spontan zu großer politischer und humanitärer Solidarisierung in unserem Land geführt, also  Bindungskräfte gestärkt.  Auf längere Sicht fordert die neue Weltlage Nachdenken, Selbstvergewisserung und Opferbereitschaft. Wie viel ist Demokratie uns Wert, was sind nicht nur ihre äußeren, sondern auch ihr inneren Bedrohungen?


Prof. Dr. Philip Manow, Politikwissenschaftler an der Universität Bremen

wird sprechen über:

 „Krise der Demokratie - welche Krise?“

Dass die Demokratie in der Krise ist, auf dem Rückzug, sich zunehmend herausgefordert sieht - das ist eine unter verschiedenen Begriffen (democratic recession, democratic backsliding, autocratization etc.) weit geteilte Diagnose. Dabei bleibt erstaunlich unklar, was die Gegner der Demokratie eigentlich umtreibt und wie man unter demokratischen Bedingungen die Demokratie abschaffen können sollte, zumal die breite Zustimmung zur Demokratie als Herrschaftsform bei aller Krisendiagnostik recht stabil geblieben ist. Der Vortrag entwickelt die These, dass wir heute nicht mit einer Krise der Demokratie konfrontiert sind, sondern mit konkreten Funktionsdefiziten demokratischer Repräsentation, insbesondere mit der Beschränkung nationalstaatlicher Selbstbestimmung durch Globalisierung und die Delegation politischer Entscheidungen an supranationale Instanzen - und den damit verbundenen Verteilungseffekten.


Donnerstag 28. April um 19:00 Uhr


Deutsches Auswanderhaus, Ditzen-Blanke-Saal

Auch eine Teilnahme über ZOOM wird möglich sein.

Wir freuen uns auf den Vortrag und die anschließende Diskussion. Hierauf vorbereiten können  Sie sich durch die Lektüre einer aktuellen Publikation des Referenten:

Philip Manow: (Ent-)Demokratisierung der Demokratie. Suhrkamp 2020.

(Der Textteil umfasst ca. 170 Seiten.)




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